Wir fahren auf der SS53 nach Norden, denn heute wollen wir auf einer Höhenstraße die Bergwelt des Gennargentu erkunden.

Als wir uns dem Bergdorf ‚Esterzili‘ nähern, müssten wir eigentlich geradeaus fahren, aber unser Navi leitet uns direkt in den Ort. Für die beeindruckenden Gemälde an den Häusern habe ich nur einen kurzen Blick, denn die Gassen sind ziemlich schmal. Nur schnell raus hier. Kurzer Blick auf die Karte, am Besten folgen wir der etwas breiteren Straße nach links. Du meine Güte, das steht ja ein Verkaufswagen, – das wird eng. Im Augenwinkel registriere ich noch, wie der Brathähnchenverkäufer den erhobenen Zeigefinger nach links und rechts schwenkt. Geschafft, wir sind vorbei.

Oh, da steht ja noch ein Wagen, da kommen wir sicher nicht mehr durch. Ist ja auch klar, denn heute ist Markttag in ‚Esterzili‘, da stehen die Verkaufswagen alle auf der (Haupt-)Straße. Während ich hinter dem Pollo-Wagen unter den kritischen Augen der Anwesenden mühsam wende, flitzt Frau schnell zum Verkaufswagen. So bleibt auf dem Rückweg glatt ein ‚Pollo‘ am Spiegel hängen, – das Mittagessen ist also schon mal gesichert.

Zurück haben wir sicherheitshalber den gleichen Weg wie hinzus genommen, denn die Gassen schauen hier alle seeehr eng aus… Jetzt fahren wir um Esterzili herum bis zum Bahnhof, der 8 Kilometer weiter und mehrere Serpentinen höher liegt. Wir befinden den Platz für den Verzehr des Hühnchens als geeignet und speisen vortrefflich.

Die Gassen von Seui

Bei der Ankunft in ‚Seui‘ konsultieren wir die Karten und wollen von hier zur Höhenstraße starten. Allerdings sind die Straßen, ach was, Gassen dermaßen steil, dass wir ehrlich Zweifel haben, ob uns das gelingt. Der Weg über den Bahnhof scheint ganz gut, von dort geht es auch in den oberen Teil des Ortes und ich kann mich noch bei der Schmalspurbahn umschauen.

Um unser Ziel zu erreichen, müssen wir vom Bahnhof aus den gesamten Ort durchfahren. Dass die Balkone ins Straßenprofil ragen ist okay, die sind glücklicherweise hoch genug. Aber uns stellen sich auch Eingangsstufen und parkende Autos in den Weg. An einer Stelle ist es so eng, dass wir die Außenspiegel einklappen müssen um überhaupt durch zu kommen. Das scheint jedoch nicht bei allen funktioniert zu haben, wie die tiefen Kratzspuren in den Häuserwänden zeigen. Frau ist heute wieder extrem froh, dass wir keine Wohnmobil-, Unimog- oder Kastenwagenfahrer sind.

Am nördlichen Ortsausgang steigt Frau am Bahnübergang aus für ein Foto mit Bus und Schienen. Überraschenderweise kommt prompt ein Auto den Berg raufgedüst. Der Fahrer hat aber Verständnis für die verrückten Touristen, die immer alles fotografieren müssen.

Der weitere Streckenverlauf ist angenehm zu fahren, nur geringe Steigung, kein Gegenverkehr, übersichtlich und auch nur bedingt rumpelig. Dafür eine grandiose Aussicht auf die umliegenden Berge.

So finden wir auch unser Kaffeepausenplätzchen, ein Stück Wiese mit Ausblick. Als Bonus kommt noch eine Pferdefamilie zu Besuch: Hengst, Stute, Fohlen. Die grasen in Ruhe und ziehen dann weiter, wir auch – weiterziehen meine ich, nicht grasen! Allerdings nur ein paar Meter, dann kommt ein Abzweig, den wir neugierig erkunden: eine schmale Straße, die unter einer Brücke durchführt, auf die wir gleich mal fahren… die Zufahrt ist gepflastert und die Brücke endet vor einem Gatter – mit Wanderweghinweisen. Das ist ja geradezu prädestiniert für unsere Übernachtung! Flugs eine ebene Stelle ausgesucht und schwups, der Bus steht für die Nacht mit Blick auf den ‚Monte Perda Liana‘! Es ist bewölkt und somit stockfinster, also machen wir das Übliche, Bilder sichern und schreiben. Chiao!

Der nächste Morgen zeigt, dass hier eine tolle Aussucht ist! Die Sonne kommt langsam über die Berge und scheint voll in den Bus – zur Schiebetür rein, während des Frühstücks!

Um halb elf verlassen wir die ‚Brücke mit Aussicht‘ und begeben uns wieder auf eine geteerte Rumpelstrecke: die hat so viele Löcher oder fehlende Fahrbahn, dass es unaufhörlich schaukelt. Beim ‚Kartenstein‘ (ein großen Felsbrocken, in den die umliegenden Strecken eingemeißelt sind) sollen wir eigentlich Richtung ‚Lago Alto del Flumendosa‘ weiterfahren, aber zunächst schauen wir uns in der anderen Richtung um und folgen der Straße bis zu den ‚Cascata Pirincanis‘, den Wasserfällen . Also eher Fällchen, denn die sind so überschaubar, dass wir sie nur von oben fotografieren und sich die Kletterei für uns nicht lohnt.

Ponte Papaloppe

Als nächstes wollen wir zur ‚Ponte Papaloppe‘, einer römischen Brücke bei ‚Oliena‘. Die Fahrt gestaltet sich sehr angenehm, da auf der ‚SS 389‘  nur wenige Kurven, keine Engstellen oder weggeschwemmte Fahrbahnen zu finden sind.

Laut ‚Trackbook‘ kann die römische Brücke befahren oder durch eine Furt umfahren werden. Allerdings verzichten wir auf die Furt und machen nur Fotos von der Brücke – mit dem Mini Bus. Die Brücke ist laut italienischer Medien einsturzgefährdet und wurde mit schweren Betonklötzen blockiert. Allerdings ist es für die Grundbesitzer auf mehrere Kilometer die einzige Möglichkeit den Fluss zu queren. Dies erklärt vielleicht auch, warum die Betonklötze nicht in Fahrbahnmitte liegen.