Nordhessen liegt unter einer dicken Schneeschicht, denn in der letzten Nacht gab es 20 cm Neuschnee. Eine prima Gelegenheit, meinen eigenen Winterreifentest abzuschließen.

Seit zwei Jahren fahren wir mit dem roten Bus auf Michelin Latitude Cross Reifen. Die Reifen haben ein etwas robusteres Profil, eine Felgenschutzkante und sind in den Serienabmessungen 235/55-17 mit Traglastindex 103H verfügbar. Das grobe Profil hat sich bei unseren Reisen auf Peloponnes, Sardinien, Litauen und den Westalpen bestens bewährt.

Während eines ADAC Fahrsicherheitstraining in Grünberg hatte ich mit diesen Reifen auf nasser Fahrbahn überraschender Weise die besten Bremswerte aller Teilnehmer. Selbst bei Vollbremsungen in einer scharfen Rechts-Kurve hat der Michelin bei 60 km/h die Spur gehalten.

Latitude Cross im Winter?

Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass der Michelin bis vor einigen Jahren sogar eine Zulassung als Ganzjahresreifen hatte. Heute fehlt dieser Hinweis auf dem Reifen. Also nutze ich den ersten frischen Schnee des Jahres für einen Test.

Dazu fahren ich von Kassel aus in den Reinhardswald. Auf dem Weg zum Tierpark Sababurg liegt eine 9 Kilometer lange Forststraße, die für den öffentlichen Verkehr freigegeben ist. Im Sommer gibt es hier verstärkten Wildwechsel, weil in dem riesigen eingezäunten Wald eine viel größere Wilddichte herrscht als im restlichen Hessen. Im Winter wird die Straße nicht gestreut und der Schnee wird erst spät geräumt. Sonntagmorgen ist nur eine Spur im Schnee zu erkennen, also optimale Bedingungen.

Das grobe Profil des Michelin Latitude Cross müsste auch im Schnee für ordentlich Grip sorgen. Aber bereits bei der Anfahrt zum Reinhardswald merke ich, wie die Räder durchdrehen und stellenweise die Haftung verlieren. Nur mit äußerster Vorsicht wage ich die Fahrt in den Wald. Nach einer Vollbremsung bei 60 km/h spricht das ABS sofort an und versucht, die maximale Verzögerung zu erreichen. Der Bus kommt allerdings erst nach 90 Metern zum Stehen! Der Schnee ist am nächsten Tag geschmolzen, also bleiben die Michelin zunächst drauf.

Zwei Wochen später

„Was ist dass denn? Jetzt erst Winterreifen drauf machen?“ kommentiert der Chef vom Reifenhandel mein Erscheinen bei ihm. In zwei Tagen sind erneut Schneefälle angesagt, deshalb lasse ich jetzt vorn die Nokian WR SUV 4 und hinten die Nokian WR A3 montieren. Die Nokian WR SUV 4 hatte ich im Frühjahr 2019 vor meiner Winterreise ans Nordkapp montieren lassen. Dort hatten sie sich bereits bestens bewährt.

Schon bei der Anfahrt ist der Unterschied spürbar. Das Anfahren gelingt ohne durchdrehende Reifen und beim Durchfahren von Schneewehen halten die Reifen die Spur. Daher fällt auch der Bremstest viel besser aus, denn nach der Bremsung aus 60 km/h steht der Bus bereits nach knapp 40 Metern.

Mein Fazit: Bei Schnee keine Michelin Latitude Cross verwenden. 😉