Es hat uns niemand vom Seeufer vertrieben. Dafür ist die Sonne von Wolken verdeckt und erstmals seit Urlaubsbeginn ist es windstill. Bevor wir weiterfahren, schauen wir noch kurz am Wasser-Tourismus Zentrum vorbei. Dort gibt es Toilette, Dusche und Stellplätze mit Strom, sowie für Wohnmobile die Möglichkeit zur Ver- und Entsorgung. Die Aussichtsplattform auf dem Dach des Gebäudes ermöglicht einen weiten Blick auf die Seenlandschaft, die mich ein wenig an die Lagune bei Venedig erinnert.

Das Wetter am See ist nicht sehr einladend, weshalb wir den Platz bald verlassen und weiter Richtung Nordosten fahren. Dabei treffen wir auf die Museumseisenbahn von Gulbene nach Aluksne, ähnlich wie bei uns in Nordhessen der Hessencourrier. Die fahren hier zweimal täglich einen Zug mit Diesellok, den wir aber leider verpasst haben. Wir nutzen die Zeit um uns in dem Bahnbetriebswerk umzusehen. Eine kleine Draisine erfreut die Kinder. Mit der können sie ca 150 Meter auf der Schiene entlang sausen, – sofern das Gefährt in Schwung kommt.

Im Freigelände ist die große Dampflok der Blickfang. Die russische Spurweite ist etwa 10 cm breiter als in Westeuropa und so kommt auch die Lokomotive eine Nummer größer daher. Ich schleiche lange drumherum und studiere die Details.

Vor dem großen Lokschuppen fällt die Drehscheibe auf, die für zwei verschiedene Spurweiten konstruiert ist. Auf der alten Besandungsanlage nistet natürliche ein Storchenpaar.

Im kleineren Schuppen der Schmalspurbahn steht eine deutsche Dampflokomotive. Sie wurde 1951 vom VEB Lokomotivbau Karl Marx Babelsberg (LKM) gebaut und als Reparationsleistung an die Sowjetunion übergeben. Die Typenbezeichnung GR steht für Germanskaja reparazja und weist auf den Ursprung der Maschine hin. Eine baugleiche Lokomotive wurde vor Jahren aus Estland zurück nach Deutschland geholt und fährt heute als Museumslokomotive in Sachsen – Anhalt.

Als wieder ein Regenschauer nieder geht, verlassen wir den Bahnhof und versuchen leider erfolglos dem Museumszug auf der freien Strecke zu begegnen. Unser nächstes Ziel ist der ‚Peipsi Järv‘ , der große See zwischen Estland und Russland. Der Weg dorthin zieht sich und die zwischendurch einsetzenden Regenfällen machen es auch nicht gemütlicher. Völlig unbemerkt passieren wir die Grenze nach Estland. Jetzt fällt uns auf, dass viele Volvos auf den Straßen unterwegs sind. Auf einer kleinen Straßenkuppe entsteht ein plötzlich ein Verkehrschaos. Die Fahrbahn ist etwa 2 Zentimeter hoch mit Hagelkörnern bedeckt, Autos rutschen von der Fahrbahn, andere stehen kreuz und quer auf der Fahrbahn. Nur 500 Meter weiter ist die Welt wieder in Ordnung und es nieselt nur noch.

Am Abend erreichen wir den avisierten Übernachtungsplatz am Seeufer. Er schein ganz akzeptabel zu sein und wir richten uns für die Nacht ein. Gegen 21 Uhr geht ein heftiges Gewitter nieder, um uns herum entstehen lauter kleine Seen, hoffentlich saufen wir nicht ab… 

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