Wir sind auf unserem Roadtrip nach Peloponnes und gerade wollen wir die italienische Autostrada verlassen. Aber an der Mautstelle Ancona gibt es an der Spur für Barzahler einen langen Stau. Jedes Fahrzeug steht gefühlt 2 Minuten. Als wir endlich am Schalter stehen, kann ich dem Kassierer zunächst einmal beim tippen seiner Textnachrichten zuschauen. Dann nimmt er mein Ticket entgegen und tippt die nächsten Zeilen. Ich dachte schon, ich könnte die Preisanzeige nicht lesen, aber da stand noch kein Preis. Dann endlich der Preis, das Geld hin halten, aber er tippt gemütlich weiter. Geld entgegennehmen, erst mal ein paar Zeilen tippen, Wechselgeld geben, wieder tippen, danach Schranke aufmachen. Ich weiß, es gibt auch die Kartenzahlung. Aber ich stand in der Vergangenheit schon zweimal vor geschlossener Schranke, weil die Kreditkarten nicht akzeptiert wurden.

Bereits zwei Kilometer vor Ancona weisen große Schilder auf die Besonderheiten der Fährennutzung hin. No boarding without checkin. Wir müssen also erst auf einen großen Parkplatz fahren, um dann im Fährbüro an einem Schalter unsere bereits bezahlten Tickets zu bekommen. Weil es hier mindestens vier Fährgesellschaften gibt, ist es entsprechend voll und unübersichtlich. Vielleicht sollen deshalb laut Buchungsbestätigung die Tickets auch drei Stunden vor Abfahrt geholt werden.

Danach geht es weiter zum Hafen. Bei der Einfahrt zum Hafengelände werden die Tickets kontrolliert. Trotz der vielen Hinweisschilder stehen tatsächlich Leute in der Reihe, die noch kein Ticket haben. Die müssen dann umständlich aus der Schlange raus rangieren und zum Fährbüro. Wir haben ja unsere Tickets nach Peloponnes und müssen jetzt Kai 16 suchen. Dazu sind bereits am Fährbüro farbige Markierungen angebracht. Kai 16 ist rot markiert. Auf der Fahrt durch den Hafen vertrauen wir lieber Google Maps, denn die rote Markierung scheint in die falsche Richtung zu weisen. Kaum zu glauben, aber alle Warteschlangen sind drei Stunden vor der Abfahrt schon voll. Wir stehen ziemlich weit hinten am Kai 16, – der lila markiert ist.

Hafen Ancona

Nachdem unsere Fähre, die Superfast XI, angelegt hat, kontrolliert ein Mitarbeiter alle Fahrzeuge in der Warteschlange. Es müssen die Tickets vorgelegt werden, dann reißt er einen Abschnitt ab und klemmt diesen hinter den Scheibenwischer. Später kommt ein anderer Mitarbeiter und stellt fest, dass in der Igomeniza Reihe auch Fahrzeuge nach Partas stehen. Diese werden über Funk gemeldet.

Währenddessen fahren Lastwagen rückwärts aus der Fähre raus, dann wieder welche vorwärts raus. und wieder andere rückwärts. Mittlerweile bildet sich ein Stau im Hafen, denn die Olympia Spirit, die zweite Fähre wird schon längst entladen. Alle Fahrzeuge müssen jetzt auf einer Spur durch die Kontrolle am Hafen. Immerhin werden jetzt die ersten PKW auf die Fähre gelotst. Diese müssen aber die Fahrspur der rückwärts ausfahrenden LKW kreuzen. Dazwischen warten Personengruppen von den Reisebussen.

Für mich als langjähriger Nordlandfahrer ist das Treiben ein unglaubliches Schauspiel. Da wird einem LKW signalisiert, er soll rückwärts aus der Fähre fahren, weil das aber 15 Sekunden dauert, wird eben dem draußen wartendem LKW signalisiert, er soll aufs Schiff fahren. Klar, beide treffen sich vor der Auffahrrampe. 

Bevor wir in Richtung Schiff dürfen, läuft wieder ein Mitarbeiter an den Autoschlangen durch, um zu prüfen, ob die Tickets noch hinter dem Scheibenwischer klemmen. Dann endlich soll unsere Schlange los fahren, aber plötzlich Geschrei, Stopp, wir sollen zurück setzen. Das erste Fahrzeug wird kompliziert zwischen Absperrensteine dirigiert. Der Rest soll so stehen bleiben. 

Es sind vier Stunden vergangen, als wir endlich auf das Schiff auffahren können. Wir werden nach oben gelotst, direkt vor den Bug in eine kleine Parkbucht. Wenn man beobachtet, wie eng die nachfolgenden  Autos eingewiesen werden, dann haben wir richtiges Glück gehabt. 
Unsere Kabine 853 befindet sich auf Deck 8, allerdings steht diese Information nicht etwa auf der Schlüsselkarte, sondern irgendwo auf den Tickets, die ja zwischen Fährbüro und Schiff durch mehrmaliges abreißen immer kürzer wurden. Jetzt haben wir bereits eine Stunde Verspätung.

An Bord der Superfast XI

Unsere Unterkunft ist eine „Pure“ Kabine. Keine Ahnung, ob ich die gewählt habe, oder wir durch den Wechsel des Schiffes drauf gebucht wurden. Unter dem Tisch steht jedenfalls eine Art elektrischer Luftfilter, der geräuschvoll die Kabinenluft umwälzt und einen Geruchsstoffe zusetzt. Das Ding lässt sich auch abschalten, allerdings ist die normale Kabinenlüftung nur noch minimal vorhanden beziehungsweise nicht wahrzunehmen. Da die Sonne auf unsere Schiffsseite scheint, haben wir ruckzuck eine Affenhitze in der Kabine. Das ist die erste Fährüberfahrt, bei der wir zum lüften die Kabinentür offen stehen lassen müssen.

Auf dem Aussichtsdeck sind die Plätze mir Isomatten, Schlafsäcke und Feldbetten belegt. Sogar ein Zelt steht im Innenbereich. Tische Sessel und Bänke sind mit Decken gesichert, Steckdosen sind ebenso begehrt. Ich mag mir nicht ausmalen, wie es hier zur Hochsaison zugeht. Auch in den Gängen und Treppenhäusern liegen Leute teilweise mit Kopfkissen und Bettzeug auf dem Boden und schlafen.

Auf dem Ionischen Meer

Nachts um 0:45 Uhr weckt uns eine brüllend laute Durchsage in der Kabine. Zunächst dachte ich, es gibt schon Frühstück, aber auf fünf Sprachen wird mittels einer Bandansage nach einem Arzt unter den Passagieren gefragt.

Das Frühstück im Bordrestaurant fällt karg aus. Für 22.90 Euro bekommen wir 2 Croissants, 2 kleine Brötchen, Rührei, etwas Aufstrich und Lachs. Getränke sind nicht dabei. Für uns steht schnell fest, – auf der Rückfahrt versorgen wir uns selbst!

In der Nacht hat es heftig geregnet, deshalb liegt jetzt von den Deckschläfern lauter Zeugs zum trocknen über den Geländern und Bänken.

Irgendwann stellen wir fest, dass unsere Toilette den Geist aufgegeben hat. Nach der Meldung bei der Rezeption kommt ein Mitarbeiter in unsere Kabine. Mit einem Drahtkleiderbügel stochert er in der Brühe rum und öffnet so die Klappe der Vakuumtoilette. Dann verschwindet er mit dem tropfenden Kleiderbügel wieder.

Der Fähranleger in Igominiza ist klar aufgeteilt: Eine Seite Land, die andere Seite Wasser. Ansonsten keine Hinweisschilder, Wegweiser oder gar Wartezone für Fußgänger. Folglich laufen Fussgängergruppen zwischen den aus- und einfahrenden LKW umher, oder müssen hunderte Meter bis zum Tor laufen.

Ankunft Patras

Eine Stunde vor Ankunft in Patras kommt die Durchsage, dass die Kabinen jetzt verlassen werden müssen. Da viele Passagiere bereits in Igominiza das Schiff verlassen haben, ist es leicht ein freies Plätzchen zu finden. Nach dem Anlegen in Patras, flitzen wir schnell zum Auto, steigen ein und fahren raus. – Das ging ja mal schnell.

Wir sind auf Peloponnes angekommen.