An Bord der Kong Harald

Gleich um 7 Uhr gehe ich am nächsten Morgen zum Frühstück. Du meine Güte, hier ist ja die Hölle los. Am Buffet herrscht ein Gedränge und es wird geschoben, getrödelt und unappetitliche Dinge angestellt. Amerikaner, Engländer und Franzosen beherrschen das Geschehen. Das macht wirklich keinen Spaß. 

Später erfahre ich auch den Grund für das Gedränge. In Harstad verlassen gegen 8 Uhr viele Passagier das Schiff für einen Landausflug auf die Vesteralen. Da wollen natürlich alle vorher noch frühstücken. An den nächsten beiden Tagen war es übrigens viel entspannter.

Um kurz nach acht legen wir im Hafen von Harstad an. Vom Schiff aus kann man schön das Treiben in der Stadt beobachten. Mit Radlader und Lastwagen werde großen Schneemengen fortgeschafft. 

Nächster Hafen ist Risøyhamn. Über Bordlautsprecher wird das Durchfahren der Fahrrinne als Attraktion bekannt gegeben. Allerdings muss ich sagen, dass die Durchfahrt des Postschiffes von Land aus wesentlich spektakulärer aussieht als an Bord des Schiffes. Zum Erstaunen der Lade-Mannschaft gibt es in diesem Hafen keine Fracht, wir hätten also auch vorbeifahren können.

In Sortland steigen die Teilnehmer des Landausfluges wieder zu. Der nächste längere Aufenthalt ist in Stokkmarknes. Hier befindet sich das Hurtigruten Museum mit dem Museumsschiff Finnmarken. Besichtigen kann man das Schiff zurzeit nicht, denn es wird ein Gebäude um das Schiff gebaut.

Der nächste Abschnitt ist, zumindest laut Reiseleitung, wieder einer der Höhepunkte der Reise – die Fahrt durch den Raftsund mit Blick in den Trollfjord. Auch hier finde ich es allerdings viel interessanter, von der Uferstraße aus aufs Wasser und die Schiffe zu schauen. 

Auf dem Weg nach Svolvaer gibt es noch ein paar schöne Motive bei Sonnenuntergang. Vielleicht klappt es ja heute noch einmal mit dem Nordlicht?

Tatsächlich! Eine halbe Stunde nachdem wir Svolvaer verlassen haben, gibt es über die Lautsprecher den Hinweis auf Nordlicht. Viele Leute kommen jetzt an die offenen Decks auf der Suche nach dem Nordlicht.

Ich habe mal gelesen, dass nicht jeder Mensch Nordlicht erkennen kann. Inzwischen denke ich, da ist was dran. Heute morgen hatte ich eine Unterhaltung, bei der auch Nordlicht ein Thema war. „Haben Sie gestern auch das starke Nordlicht bei Tromsö gesehen? Ja, haben wir. Allerdings war es nur auf der Kamera zu sehen, mit bloßem Auge konnten wir es nicht sehen“. Dabei war es gestern wirklich sehr gut zu sehen.

Auch jetzt laufen ständig Leute umher und sehen nichts. Als ein französischer Mitreisender zum zweiten Mal suchend an mir vorbeikommt, halte ich ihn an und deute mit dem ausgestreckten Arm auf das Nordlicht. Aber er sieht es nichts. Da er auch Stativ und Kamera dabei hat, lasse ich ihn ein Foto in die angegeben Richtung machen. Beim Betrachten seines Kameradisplays ist er höchst erfreut und flitzt gleich zu seiner Begleitung.

Auf dem offenen Deck am Heck des Schiffes ist jetzt ein kleines Blitzlichtgewitter im Gange. Nun ja, diese Leute sehen selbst auf den Displays kein Nordlicht. Angesichts der vielen Menschen versuche ich erst gar nicht, weitere Nordlichtfotos zu machen. Allerdings sind die Momente mit den Menschen und dem Nordlicht auch nicht schlecht.

Heimreise

Die gestrigen Fotos waren auch schon die letzten Fotos an Bord der MS Kong Harald, denn heute regnet es den ganzen Tag wie aus Eimern. Da kann ich mir ja mal Gedanken über den letzten Teil der Reise machen. 

Über die Brücken von Schweden nach Dänemark wird mir der Heimweg zu lang und mit den Fähren nach Kiel verliere ich einen ganzen Tag. Wäre noch die Fähre von Göteborg nach Frederikshavn. Aber dann ist es Samstagnacht und vielleicht Halligalli an Bord, wie schon einmal, vor ein paar Jahren. 

Bei der Fähre von Larvik nach Hirtshals passen Fahrzeit und Preis. Also buche ich auf der norwegischen Seite von Color Line für 695 NOK die Fähre für Übermorgen um 22:15 Uhr. Das sollte passen.

Am Abend kündigt uns die Reiseleitung das Treffen mit einem zweiten Postschiff an. Als wir Rørvik erreichen wird es sogar noch mal wiederholt. Erst als wir angelegt haben, kommt der Hinweis, dass das andere Schiff noch gar nicht eingetroffen ist. Auf Marine Traffic hatte ich schon gesehen, dass sich das Schiff durch die Folda kämpft. 

Ihr erinnert euch, Folda, die offene Seestrecke mit dem schweren Seegang. Da müssen wir jetzt wieder durch. Meine Kabine liegt auf Deck 2, also ziemlich weit unten im Schiff. Bei diesem Seegang stehen die beiden Bullaugen immer wieder komplett unter Wasser und ermöglichen einen gespenstischen Blick unter Wasser. Ich kann gerne darauf verzichten und lege mich schlafen. In der Nachbarkabine schließen sie die Klappen vor den Bullaugen.

Wir kommen mit Verspätung in Trondheim an. Auch gut, denn so bleibt mehr Zeit für das Frühstück. Ich verlasse kurz das Schiff, um zu schauen ob der Bus schon draußen steht. Tut er nicht, aber danach lässt mich das Zugangssystem nicht mehr an Bord. Also bekomme ich für die letzten 10 Minuten einen Besucherausweis.

Den Bus fahre ich selbst von Bord, dann folgen noch ein paar Fotos vom Schiff und schon bin ich auf der Heimreise. Das Navi habe ich auf Mautvermeidung eingestellt, denn so lerne ich auf dem Weg nach Larvik auch noch neue Regionen kennen. Color Line bringt mich nachts um zwei Uhr pünktlich ins dänische Hirtshals. Von da aus schaffe ich noch eine Stunde Fahrzeit bis zur Nachtruhe auf einem Parkplatz. Frühstück gibt es erst in Deutschland und am Sonntagnachmittag bin ich nach 12 spannenden Tagen wieder Zuhause.

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