Ich mache mich gleich auf die Suche nach einem geeigneten Standort für Nordlicht. Meine erste Wahl ist unser Übernachtungsplatz vom letzten Sommer. Hier schiebt gerade ein Schneepflug eine Schneise in den Schnee. So können nämlich die Gruppen der kommerziellen Nordlichtbeobachter leichter den Aussichtspunkt erreichen. Mir ist es hier etwas zu voll, deshalb fahre ich durch den Tunnel auf die Straße nach Skulsfjord. 

In einer geräumten Ausweichbucht stelle ich den Bus ab und platziere am Straßenrand die Kamera. Es dauert nicht lange und der Bus einer geführten Nordlichttruppe steht auch in der Bucht. Kurz darauf stehen hier noch zwei Autos. Ständig gehen irgendwelche Lampen an oder Leute laufen umher. Das Fotografieren ist nicht so einfach, trotzdem gelingen mir die ersten Nordlichtfotos. Die Suche nach einem weiteren Fotostandort gestaltet sich schwierig, denn an jeder möglichen Stelle stehen schon Autos und viele Fotografen. Auf den Straßen brausen die Mietwagen mit hohen Geschwindigkeiten von Ort zu Ort. 

Ein weiteres Problem sind die modernen Autos. Häufig bleiben Leute in den Autos sitzen und lassen den Motor laufen, es wird ja sonst kühl. Dabei schaltet sich aber das Tagfahrlicht ein und sorgt in der Dunkelheit für grelle Lichtquellen.

Ich hatte ja angenommen, dass es auf den Lofoten schon ziemlich voll ist mit Fototouristen, aber hier um Tromsö ist es der helle Wahnsinn. Der Flughafen und die vielen Hotels machen es leicht, mal für vier oder fünf Tage zum Nordlichtgucken nach Tromsö zu kommen. Auch die Anbieter der geführten Nordlichttouren sind zahlreich vorhanden und gut gebucht. 

In Skulsfjord finde ich zwar noch ein paar nette Motive, aber leider wird das Nordlicht schwächer. Nach Mitternacht ist es kaum noch zu erkennen und alle fahren zurück in die Hotels. Jetzt kann ich auch auf dem ursprünglich vorgesehenen Platz in Ruhe übernachten.

Heute ist mein letzter Tag in der Region, denn in der kommenden Nacht geht es mit dem Postschiff nach Süden. Vormittags fahre ich rüber an den Kaldfjord. Hier biege ich aber zu früh ab und fahre dann auf der 862 in Richtung Hillesøya, anstatt nach Tromvik. Die Route ist aber auch sehr ansprechend und folglich stark von Mietwagen befahren. Ich muss zugeben, dass das tolle Wetter und die eisige Winterlandschaft den schlechten Start auf den Lofoten wieder wettmachen. Ich verbringe jedenfalls den ganzen sonnigen Tag mit Landschaft gucken und fotografieren.

Am Abend warte ich auf einem Parkplatz auf das Nordlicht. Dummerweise setzt es heute etwas später ein als gestern. Meinen ersten Standplatz räume ich recht bald, denn ein Berg wirft im Vollmond einen störenden Schatten. Jetzt bin ich also auch einer von denen, die bei anschwellendem Nordlicht über die vereisten Straßen brausen und eine Parkmöglichkeit suchen. Naja, mein Brausen ist mehr ein cruisen. 

Jedenfalls wird das Nordlicht immer kräftiger und meine Zeit immer knapper. Es ist aber auch ergreifend schön, dem Nordlicht in einer klaren Vollmondnacht zuzuschauen. Ich flitze von Motiv zu Motiv, während die Zeit weiter abläuft. Wow, da wabert gerade so ein Nordlicht Schleier vor mir, der könnt vielleicht bis zu der Bergspitze wandern. Schnell am Straßenrand anhalten, Kamera und Stativ raus und los knipsen. HA, das passt, sieht aus wie ein grüner Vulkan. 

Wahrscheinlich hat das Postschiff mittlerweile schon angelegt, aber ich stehe immer noch hier. Jetzt aber schnell auf nach Trondheim. Halt Stopp! Da ist ja schon wieder ein schönes Motiv. Anhalten, Stativ und Kamera raus, nur grob ausrichten, schnell ein paarmal den Auslöser drücken und weiter. Ansehen kann ich mir die Bilder auch auf dem Schiff. Auf diese Weise reize ich die zur Verfügung stehende Zeit maximal aus. 

Als ich endlich in Tromsö ankomme, muss ich mich erst einmal orientieren. Meinen ursprünglichen Plan, mich im Laufe des Tages vor Ort schlau zu machen, habe ich ja nicht befolgt. Anscheinend muss ich mit meinem Gepäck eine lange Treppe hinauf, durch das Terminal, und am Ende wieder eine lange Treppe hinunter zum Schiff. Wie blöd ist das denn?

Es checken bestimmt 80 Passagiere neu ein, aber ich habe Glück. Weil ich nicht den Fahrstuhl runter zum Anleger genommen habe, sondern die Treppe, bin ich einer der ersten die ihre Kabinenkarte bekommen. Meine Kabine ist auf Deck 2, also gleich bei den Autos. 

Aber wo bekomme ich das Auto an den Ladekai? Es gibt keine Zufahrtsschilder aber dafür überall Schranken. Ich klettere über eine Absperrung und laufe vor dem Schiff hin und her auf der Suche nach Auskunft. Endlich sagt mir jemand, wo ich mit dem Auto warten soll. Am Terminal von Tromsö gibt es jedenfalls noch viel Potenzial für Verbesserungen.

Nach einiger Zeit geht die Schranke endlich auf und ich kann direkt auf das Schiff fahren. Schlüssel abgeben, einparken lassen, dann schnell die 10 Schritte zur Kabine um Kamera und Stativ zu holen. Vielleicht kann ich ja noch Nordlicht fotografieren. Leider ist nur noch ein schwacher Bogen zu sehen, aber ein paar Hafenmotive sehen auch nett aus. Um 1 Uhr dreißig legt die Kong Harald in Tromsö ab. Für mich endlich Zeit für eine heiße Dusche.

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