Wer mit dem ersten Konvoi angereist ist, sollte sich zum Fotografieren beeilen denn eine Stunde später ist Ankunft der zweiten Kolonne auf dem Nordkapplateau. Jetzt treffen die Reisenden der Hurtigruten ein und auf einen Schlag sind weitere 400 Personen an der Weltkugel. Daher verlassen die meisten Fahrzeuge der ersten Kolonne das Nordkap gleich mit der ersten Rückfahrt um 13 Uhr.

Mein spontanes Reiseziel, das Nordkap, habe ich also erreicht. Jetzt geht es zurück nach Tromsö, denn dort wartet am Mittwochabend hoffentlich das Postschiff auf mich. Für Dienstag- und Mittwochnacht ist starkes Nordlicht angesagt, deshalb will ich versuchen, möglichst rasch nach Tromsö zu fahren. Vorher lege ich aber eine 20-minütige Pause tief unten im Nordkap Tunnel ein. Warum? Weil das eine gute Möglichkeit ist, im warmen Tunnel den Eispanzer vom Bus loszuwerden.

Die Fahrt auf der E69 am Porsangerfjord entlang ist wieder recht Anspruchsvoll. Einem Reisebus sind die 80km/h aber offenbar zu langsam, den lasse ich an einer Parkbucht lieber vorbei. Bei Gegenverkehr kann ich gut sehen, wie sich das Licht auf der Fahrbahn spiegelt. Es ist also wieder spiegelglatt. 

Zwischen Olderfjord und Skaidi sind schon wieder große Schneeverwehungen auf der Straße. Und weil es nicht besser wird, bleibe ich etwa 20 Kilometer hinter Skaidi an der E6 auf einem geräumten Parkplatz am Goahtemuorjohka Fluss stehen. Der Platz ist im Flusstal einigermaßen geschützt und bestimmt besser als oben auf den Fjell, wobei „oben“ ja lediglich 350 Meter bedeuten. Hier standen wir 2016 schon mal mit einem Wohnmobil und haben uns am Flussufer den Mücken zum Fraß vorgeworfen. Bestimmt warten die schon unter dem Schnee auf neue Touristen. 

Ich nutze den Abend, mache mir eine warme Mahlzeit und sichere dann die Fotos der letzten Tage. Immer wieder schlagen draußen Autotüren, denn ich bin nicht allein auf dem Parkplatz. Auch hier schlafen Reisende in ihren PKW, was für sie natürlich mit viel hin und herräumen verbunden ist.

Am Morgen lasse ich es langsam angehen, so dass ich erst bei Sonnenaufgang losfahre.So kann ich Straßenabschnitte, die ich auf der Hinreise bei Dunkelheit passiert habe, jetzt bei Tageslicht befahren. In Alta tanke ich wieder und schaue noch bei der Kathedrale vorbei. Ich freue mich noch mal, dass ich sie auch bei Nacht gesehen habe.

Auf den nächsten 500 Kilometern erwarten mich Fjellüberquerungen bei starkem Schneefall, spiegelglatte Fahrbahnen und mehrere Baustellen, die im Kolonnenverkehr befahren werden. Unterwegs finde ich immer wieder schöne Stellen, die sich zur Nordlichtbeobachtung eignen würden. Aber momentan sieht es nicht so aus, als würde der Himmel aufklaren. Laut Wetterapp wird es heute Abend tatsächlich nur westlich von Tromsö wolkenfrei sein. Also muss ich die Etappe bis Tromsö schaffen, auch wenn es zwischendurch wirklich nicht einfach zu fahren ist. An einem Anstieg haben LKW auf der Straße angehalten und ziehen die Schneeketten auf. Ich schaffe es aber ohne Allrad und Ketten nach oben.

Die Fahrt am Lyngenfjord zieht sich wie Kaugummi. Dort sind mehrere Baustellen, durch die auch die Parkplätze belegt sind. Der Himmel ist immer noch wolkenverhangen und zeitweise fällt Schnee. Am Abzweig nach Tromsö habe ich einen kurzen “Hallowach“ Moment, denn beim Abbiegen verlieren die Hinterräder die Haftung und ich rutsche mit dem Heck in einen Schneewall. Passiert ist aber nix weiter, war nur ein kleiner Schreck am Abend.

Als ich die Lichter von Tromsö sehe, lichten sich tatsächlich die Wolken. Vielen Dank NRK für deine geniale Wetterapp. 

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