Nach einer ruhigen Nacht bin ich schon früh munter und kann noch bequem vor dem Frühstück duschen. Wobei sich „bequem“ nur auf meinen Zeitplan bezieht, denn die Dusche in meiner Kabine ist schon ziemlich passgenau.

Dafür ist das Frühstück wie immer gut und reichhaltig. Es macht mir einfach Spaß auf Schiffen zu frühstücken, besonders wenn eine schöne Landschaft am Fenster vorüberzieht.

So richtig Winter ist es draußen noch nicht. Immer wieder regnet es und es liegt auch nur wenig Schnee. Deshalb verbringe ich diesmal auch nicht viel Zeit draußen an Deck.

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In Ørnes stehen viele Reisende mit Koffern am Anleger. Sie nutzen das Postschiff wie wir den Zug oder einen Linienbus. Wieder ein typischer Postschiff Moment.

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Meine Kabine muss ich bis um 12 Uhr räumen. Für 225 NOK könnte ich bis 19 Uhr verlängern, aber ich ziehe bei Ankunft in Bodö lieber auf eine Zweierbank im Panoramasalon um. Dort werde ich es mir bis zur Ankunft in Stamsund gemütlich machen.

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Im IPad haben ich übrigens die Prepaid Simkarte des großen Nord/Süd Discounter. Damit hatte ich auf der gesamten Reise, also auch auf den Seestrecken, 3G oder LTE Internet Empfang. Während der Schiffsreise prüfe ich immer wieder die Wetterprognosen und es sieht weiterhin richtig schlecht aus. Schwerer Orkan und viel Regen. Dazu die höchste Gefahrenstufe für Lawinen. Also werde ich mich nach Ankunft in Stamsund sofort auf den Weg machen und die Lofoten schnellst möglich verlassen.

Bei der Fahrt über den Vestfjord kommt wieder etwas Bewegung ins Schiff. Am späten Nachmittag setzten sich ein paar junge Damen in meiner unmittelbaren Nähe zu mir in den Panoramasalon. Etwas hektisch verteilen Sie ihre Reiseutensilien und nehmen schnell nebeneinander Platz. Kurz darauf und ohne Ankündigung röhren alle gemeinsam los und füllen ihre „Stormy weather bags“. Der Platz vorn im Panoramasalon ist natürlich auch der mit der meisten Bewegung im Schiff. Da ist man bei Seekrankheit unten in der Mitte des Schiffes viel besser aufgehoben. Das sehen sie irgendwann auch ein und ziehen wieder davon.

Das Anlegemanöver in Stamsund ist schnell erledigt, jetzt muss nur noch das Auto aus dem Schiff. Der Laderaum ist gut gefüllt und die Autos stehen sehr dicht nebeneinander. So dauert es noch eine Weile, bis alle Fahrzeuge rausrangiert sind.

Draußen ist es nass und ungemütlich. Nur noch ein paar Fotos, dann bin ich schon wieder unterwegs nach Svolvaer.

Lofoten

Heute Nacht um zwei Uhr soll der Sturm zum Orkan werden, bis dahin will ich so weit wie möglich kommen. Die Straße 815 ist verdammt rutschig, zum Glück kommen mir nur ganz wenige Autos entgegen. An den Sehenswürdigkeiten rausche ich vorbei und Svolvaer lasse ich auch links liegen. Inzwischen hat auch noch kräftiger Schneefall eingesetzt. Drei Stunden sind vergangen, als ich an dem Abzweig nach Harstad einen geschützten Parkplatz anfahre. Puh, hier werde ich die Nacht verbringen.

In der Nacht werde ich kurz nach zwei Uhr plötzlich munter, weil der Bus heftig durchgeschüttelt wird. Haha, auf die Wetter App ist verlass, denn jetzt geht der Sturm los. Nach einer knappen Stunde bin ich schon wieder munter, weil irgendwelche Idioten anscheinend den Bus umkippen wollen. Du meine Güte, das ist jetzt wirklich ein Orkan. Eisbrocken schlagen mit einem Höllenlärm an den Bus, der vom Wind hin und her geschüttelt wird. Der Schnee ist auch schon wieder geschmolzen.

Weil ich das Gefühl habe, dass der Sturm immer stärker wird, beschließe ich, den Parkplatz zu verlassen um eine geschütztere Stelle zu suchen.

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Die Fahrt auf der E10 wird ein kleiner Höllenritt. Schnee und Regen behindern die Sicht, dazu fallen Äste auf die Fahrbahn. Plötzlich ist vor mir ein gleisend heller Blitz, der überhaupt nicht dunkler wird. Kurz darauf an anderen Stellen die gleichen Blitze. Es sind Stromleitungen, die sich im Sturm berühren und starke Funkenschläge verursachen.

Unten am Fjord ist es kein Stück besser. Eigentlich hatte ich gehofft, dass die Berge den Wind etwas bremsen. Jetzt dämmert es mir, dass ich heute Nacht einen kleinen Orientierungsfehler hatte. So schnell wie möglich folge ich der Straße am Fjord. Am anderen Ufer kann ich Blinklichter sehen, das ist bestimmt der Schneepflug, – hoffentlich. Aber nach wenigen Kilometern ist klar, das war kein Schneepflug, sondern ein Auto von Vegvesen, das die östliche Brückenauffahrt über den Tjeldsund absperrt. Tja, und ich stehe jetzt als fünftes Fahrzeug vor der westlichen Auffahrt. Mist, wäre ich in der Nacht noch eine Stunde weiter gefahren, könnte ich jetzt drüben schlafen.

Ein Blick auf vegvesen.no bestätigt die Brückensperrung, leider ohne Angabe der Dauer. Die Wetter App sagt, dass ab 12 Uhr der Wind nachlässt, also sind mindestens 6 Stunden Wartezeit angesagt. Die verbringe ich aber nicht in der Fahrzeugschlange, sondern auf einem vereisten Parkplatz mit Blick auf die Brücke.

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Die Standheizung hält den Bus schön warm, das Frühstück mit Ei ist schon lange verputzt und der dritte Kaffee gekocht. Eigentlich könnte ich ja mal rausgehen und mit dem Teleobjektiv Fotos machen. Gesagt getan. Auf dem vereisten Parkplatz steht das Wasser und der Wind ist kräftiger als erwartet. Schwups, erfasst mich der Wind und schiebt mich stehend über das Eis. Die ersten Sekunden denke ich „Haha, das ist ja wie auf der Eisbahn“ und finde das lustig. Gleich darauf bin ich schon so schnell, dass ich versuche, mit ein zwei Schritten die Richtung zu beeinflussen um zu stoppen. Im gleichen Moment rutschen mir die Füße weg, ich stürze lang auf das Eis und werde vom Wind weiter geschoben. Mist, Mist, Mist, wie blöd von mir.